StipendiumAnChristianWehdemittel

Christian Wehde, Jg. 1980 ist der erste Stipendiat, der das Gerhard-Claas-Stipendium erhalten hat. Der Vorsitzende der Gerhard-Claas-Stiftung, Prof. Dr. Ralf Dziewas, hat mit ihm das folgende Interview geführt:

Du schreibst Deine Dissertation über die biographischen Aussagen, die Paulus in seinen Briefen über sich selbst macht. Was hat Dich eigentlich zu diesem Thema gebracht?

Mein - im Rückblick gesehen sehr ambitionierter - Wunsch war es, mich in der Dissertation mit Paulus und seinen Briefen zu befassen. Hängen geblieben bin ich bei meiner Literaturrecherche bei einem Aufsatzband, der sich thematisch mit Biographie und Persönlichkeit des Paulus befasst hat. Dieses Thema hat mich schnell fasziniert, aber die methodische Herangehensweise in diesem Sammelband hat bei mir mehr kritische Rückfragen als Zustimmung hervorgerufen. Und dieser Eindruck hat sich verfestigt, je mehr Forschungsbeiträge ich zu dieser Fragestellung gesichtet habe. Aus dem ambitionierten Titel „Die Funktion autobiographischer Aussagen…“ in meinem ersten Exposé ist inzwischen eine Arbeit über „die Funktion autobiographischer Aussagen im Galaterbrief…“ geworden. Meine spezielle methodische Herangehensweise an die einzelnen Briefe hat es einfach erfordert, im Rahmen der Dissertation eine Fokussierung auf einen einzigen Brief vorzunehmen.

Das Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit ist an sich schon eine schwierige und langwierige Aufgabe. Nun kümmerst Du Dich parallel auch noch um die Erziehung von drei kleinen Kindern. Inwiefern hilft Dir die Förderung durch das Gerhard-Claas-Stipendium bei der Fertigstellung deiner Dissertation?

Unsere familiäre Situation erfordert es, dass meine Frau vollzeitlich berufstätig ist. Ich arbeite daher tatsächlich in Teilzeit an meiner Dissertation und bin den Rest des Tages Hausmann. Während unser jüngster Sohn im Kindergarten feste Betreuungszeiten hat, die mir vormittags einen planbaren Arbeitszeitraum für die Dissertation erlauben, ist das bei unseren Grundschulkindern anders. Die Schulzeiten sind nicht verlässlich in dem Sinne, dass alle Kinder in einem festen Zeitraum in der Schule sind. In unserer Stadt gibt es daher für Familien, in denen beide Eltern berufstätig sind, ein kostenpflichtiges Betreuungsangebot, bei dem die Schulkinder nach offiziellem Unterrichtsschluss noch bis zu einer fest vereinbarten Uhrzeit in Räumlichkeiten der Schule betreut werden. Uns war klar, dass wir dieses zusätzliche Betreuungsangebot brauchen, damit ich einen ausreichend großen Arbeitszeitraum an den Vormittagen habe, um mit der Dissertation auch absehbar fertig zu werden. Gleichzeitig war uns nicht klar, wie wir die zusätzlichen Betreuungskosten ohne zusätzliche Einnahmen im Familienhaushalt unterbringen sollten. Die Zusage des Gerhard-Claas-Stipendium von 150,- € pro Monat war für uns die richtige Hilfe zur richtigen Zeit. Das Stipendium hilft uns ganz konkret, die notwendigen zusätzlichen Betreuungskosten finanziell zu stemmen.

Warum ist es aus Deiner Erfahrung heraus wichtig, dass es eine solche spezielle Stipendienförderung für freikirchliche Theologinnen und Theologen gibt?

Aus meiner persönlichen Wahrnehmung haben Promotionsstipendien häufig diverse Voraussetzungen: Alter, Zugehörigkeit zu einer der beiden großen Kirchen, Themenbereich des Promotionsprojektes, Abschlussnote des Studiums. Auch das Gerhard-Claas-Stipendium richtet sich an einen konfessionell eingeschränkten Adressatenkreis. In allen anderen Dingen herrscht jedoch eine große Offenheit. Dadurch können auch Personen gefördert werden, die nicht die klassisch-geradlinige universitäre Ausbildungsbiographie haben. Zwar zielt das Gerhard-Claas-Stipendium nicht auf die Absicherung des Lebensunterhaltes ab, dafür kommt es aber für Personen in Frage, die neben einer Teilzeitbeschäftigung promovieren oder bei denen das Familieneinkommen durch den Partner abgesichert wird. Für alle diese Theologinnen und Theologen kann das Gerhard-Claas-Stipendium ein kleiner aber gewichtiger Beitrag sein für die finanziellen Aufwendungen im Rahmen eines Promotionsvorhabens.